Ausgesprochen zum Staunen

Permanent durch den Mund zu atmen kann fatale Folgen haben!

„Da steht mir doch der Mund vor Staunen offen!“ Doch nicht immer lässt uns Staunen den Mund offen stehen sondern viel eher eine verlegte/verstopfte Nase. Eine verlegte Nase kann unterschiedliche Ursachen, organische oder exogene, haben, aber es eint sie, dass  hauptsächlich durch den Mund geatmet werden muss. Und das kann drastische Folgen haben, denn die physiologische Ruheatmung, also wie wir atmen, wenn wir nichts machen außer sitzen, lesen, zuhören, schauen, schlafen ist die Nasenatmung. Dabei wird durch die Nase ein- und ausgeatmet und die Lippen sind geschlossen.

In diesem Blog Post möchte ich gerne die organischen Ursachen betrachten. Exogene Ursachen wie zum Beispiel verminderte Kautätigkeit, Daumen lutschen oder exzessives Verwenden des Schnullers, behandle ich in einem eigenen Blog Post.

Hier einmal die gängisten organischen Ursachen einer verlegten Nase:

  1. Schnupfen- der geht meistens rasch wieder vorbei
  2. Allergie– kann jahreszeitlich bedingt sein(Gräser Allergie) oder ständig vorhanden sein (Hausstaubmilbe)
  3. Nasenscheidewandverkrümmung- immer vorhanden
  4. Adenoide Wucherungen(sog. Polypen)- verschwinden zirka ab dem 12 Lebensjahr

Sie werden sich jetzt vielleicht wundern, hier diese HNO ärztlichen Ausführungen zu lesen!?  Aber ohne dieses Wissen könnten wir Logopädinnen unsere Arbeit nicht machen. Wir müssen über Ursache und Wirkung der Hör-, Stimm- und Sprechorgane Bescheid wissen. Und so beinhaltet unsere Ausbildung, neben vielen anderen Vorlesungsinhalten, Anatomie, Physiologie, Pathologie, Neurologie,…. .

Aber zurück zu den drastischen Auswirkungen der permanenten Mundatmung:

Ein Versuch: Schließen Sie bitte Ihre Lippen und atmen Sie durch die Nase. Jetzt halten Sie sich bitte die Nase zu und warten ab was passiert….. Genau! Sie öffnen Ihren Mund um weiteratmen zu können und so passiert es auch in meinem folgenden Beispiel:

Ich nehme einmal den Fall eines Kleinkindes (3-4Lj) an, das sogenannte Polypen und eventuell auch noch vergrößerte Mandeln hat und daher nicht genügend durch die Nase atmen kann. Es atmet hauptsächlich durch den Mund. Und, ich wage es jetzt einmal zu behaupten: es wird auch die nächsten Jahre hauptsächlich durch den Mund atmen. Vielleicht sogar bis ins Erwachsenenalter. Damit das nicht passieren muss, lesen Sie bitte weiter!

Diese, über lange Zeit anhaltende, Mundatmung kann folgende Auswirkungen nach sich ziehen:

  • Eine Zungenfehlstellung, die eine Zahnfehlstellung und damit eine kieferorthopädische Versorgung notwendig machen kann
  • Eine verminderte Sauerstoffversorgung des ZentralNervenSystems (ZNS = Gehirn)
  • Vermehrte Verkühlung, da die Einatemluft zu wenig erwärmt wird und
  • Durch die vermehrten Verkühlungen, vermehrte Mittelohrentzündungen, die wiederum zu einer Hörminderung und damit zu einer Sprachentwicklungsverzögerung führen kann
  • Lasche Aussprache der Laute B/F/P/PF, da den Lippen die Kraft fehlt
  • Lispeln, sprich S-Fehler oder SCH-Fehler, da die Zunge nicht in der korrekten Lage positioniert ist
  • Kleine Nebenhöhlen, da der Luftdruck für die Ausformung fehlt
  • Eine Wirbelsäulenproblematik durch die Kopffehlhaltung
Darstellung von Kopfhaltung mit geschlossenen Lippen
Darstellung von Kopfhaltung mit offenen Lippen

Die Behinderung der physiologischen, also der natürlichen, Nasenatmung, kann zu einer sogenannten“ habituellen offenen Mundhaltung“, also einer gewohnheitsmäßigen Mundatmung führen, die sich bis ins Erwachsenen Alter ziehen kann. Auch im Erwachsenenalter kann dies zu massiven Beeinträchtigungen führen, wie Probleme mit der Stimme, Zahnfehlstellungen, Schnarchen, Unterversorgung mit Sauerstoff, was sich oft beim Sporteln als Belastung herausstellt.

Was bedeutet das nun für Sie?

Mein Appell:

  • Sollten Sie sich in meinen Beispielen wiederfinden: herbei zu mir! Es gibt Möglichkeiten Ihnen Erleichterung zu schaffen und macht auch Sinn. Nasenschleimhäute, die nicht dem Luftdruck der Atmung ausgesetzt sind, schwellen an und verengen somit den Nasenraum. Auch wenn man eigentlich gesund ist!
  • Sollten Sie ein Kleinkind in Ihrer näheren Umgebung haben: beobachten Sie dessen Atemverhalten. Ein Zeichen von verstärkter Mundatmung ist das „Knatschen“ beim Essen. Lassen Sie sich von einer Logopädin oder einem Logopäden beraten.
  • Sollten Sie HNO-Ärztin oder HNO-Arzt sein und ein Kind gerade von seinen adenoiden Wucherungen und/oder Mandeln befreit haben, schicken Sie dieses Kind zur Logopädin oder zum Logopäden, damit es durch gezielte Übungen erfährt, dass es ab sofort wieder durch die Nase atmen kann und soll. Ebenso erwachsene PatientInnen, deren Nasenscheidewandverkrümmung Sie korrigiert haben. Sie können damit Folgeschäden sehr einfach verhindern!

Die wiederkehrende Aufforderung  „ Mach den Mund zu!“ bringt Nichts! Denn nur die Lippen zu schließen, korrigiert nicht oben genannte Fehlstellungen.

Scheinbar,und das habe ich mit meinem Physiotherapeuten zu ähnlichem Thema analysiert, vergisst unser Körper, wenn er im Überlebensmodus ist, seine physiologischen Abläufe und muss durch gezielte, individuelle Übungen wieder dorthin gelenkt werden.

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