Ausgesprochen schwierig Folge 2

Aufgeregt kommt das Kind aus dem Kindergarten und möchte dringend etwas erzählen, kommt ins Holpern, ist atemlos und wiederholt dabei Silben. Das ist vollkommen normal und kann auch uns Erwachsenen noch passieren. Ist das Stottern? Und ab wann sollen sich Eltern an Logopädinnen oder Logopäden wenden?

Diese Fragen beantwortet Uli Haas, die Stotter-Therapie Spezialistin, in folgendem Interview:

Liebe Uli! Herzlichen Dank, dass Du uns heute Fragen zum stotternden Kind beantworten wirst!

Ich glaube, die dringendste Frage für betroffene Eltern ist:

Ab wann soll ich zu einer Logopädin oder zu einem Logopäden gehen?

So früh, wie möglich!

Auf jeden Fall immer dann:

…. wenn Eltern wegen der Redeunflüssigkeiten ihres Kindes besorgt sind

…. wenn Stottern in der Familie vorkommt

…. wenn die Eltern eine Kraftanstrengung beim Sprechen beobachten“

Kann ich mich von einer Logopädin oder einem Logopäden auch nur beraten lassen oder kann ich da nur hingehen, wenn es um eine Therapie geht?

„Es gibt in der Zwischenzeit gute Eingangsscreenings, die abklären, ob eine altersgemäße Redeunflüssigkeit vorliegt oder ob es sich um Stottern handelt.“

Oft berichten die Eltern, dass der Kinderarzt und alle anderen sagen „ Warte doch zu!“ Was hältst Du davon?

„Eltern sollen sich nicht auf gut gemeinte Vertröstungen verlassen, so im Sinne von: „das wächst sich noch aus“. Eltern kennen ihre Kinder besser als der Kinderarzt und wenn ihr Bauchgefühl sagt, lieber Hilfe holen, dann sollen sie das auch machen. Lieber einmal zu viel als zu wenig beraten lassen.“

Was kann ich als Elternteil oder Omi und Opi unterstützend tun?

„Geben Sie dem Kind keine Tipps wie: „Lass dir Zeit!“ oder „Denk nach bevor du sprichst!“ oder „Atme tief durch!“ Vielmehr hilft, dass Sie sich Zeit nehmen, um in Ruhe, zuzuhören.

Es ist wesentlich wichtiger, was Ihnen das Kind mitteilen will und nicht wie es die Mitteilung sagt!

Wenn Sie ein Hängen –oder Steckenbleiben beobachten, sagen Sie ganz unaufgeregt: „Manchmal gehen Worte wirklich schwer aus dem Mund.“, „Du, das darf sein, das ist manchmal so“. So entlasten Sie das Kind und sich selbst auch.“

Es gab ja die Vorgabe, dass das Wort „Stottern“ dem Kind gegenüber nicht erwähnt werden soll. Gilt diese Meinung noch immer? Und wenn ja, was soll ich stattdessen sagen?

Das Wort Stottern ist für kleine Kinder ein neutrales Wort, wenn die Umgebung gelassen damit umgeht. Wir Erwachsenen wissen um Verläufe von Stottern, darum ist es negativ besetzt. Kindern kann man erklären, dass es manchmal vorkommt, dass sich Silben ganz flott aus dem Mund drängeln wollen – ich nenne es gerne Blubbern – oder das Wörter einfach im Mund stecken bleiben und nicht raus wollen. „Du, das ist erlaubt – man nennt das auch Stottern“. Wichtig ist ein unaufgeregtes Umgehen mit der Situation. 

Oder man könnte auch sagen: „Du, da kenn ich mich selber nicht so gut aus, vielleicht sollten wir uns mal Hilfe einholen, bei jemanden, der besser Bescheid weiß als wir“.

Manchmal hat man nicht so gut Zeit in Ruhe zuzuhören, weil man gerade beschäftigt ist. Was mache ich dann?

„Dann schlage ich immer vor, dass man dem Kind das auch mitteilt und sagt:

Zum Beispiel: „Pauli, ich kann dir jetzt nicht so gut zuhören, wie ich gerne möchte, aber lass mir ein bissl Zeit, ich komme dann zu dir und du erzählst es mir in Ruhe“.

Dieses Versprechen muss aber unbedingt eingehalten werden!“

Wie sollen sich KindergartenpädagogInnen verhalten?

Für Kindergartenpädagoginnen gilt dasselbe. Sie sind die Vertrauenspersonen, die das Kind außerhalb seines Zuhauses am besten kennen. Daher helfen sie auch oft  mit, eine Beratung in einer logopädischen Praxis zur Abklärung vorzuschlagen.

Ganz wichtig ist mir auch, dass sich Eltern vorab erkundigen, welcher Logopäde oder welche Logopädin mit der Therapie des Stotterns vertraut ist.*

Hast Du eine Buchempfehlung?

Ein Ratgeber für Eltern und alle, die mit stotternden Kindern zu tun haben, ist:

„Stottern bei Kindern erfolgreich bewältigen“ von Peter Schneider  Er vermittelt wichtiges Wissen und stellt klar, was Mythos und was State of the Art ist.

Bilderbücher zum Thema würde ich erst im Rahmen einer Therapie empfehlen.

Liebe Uli! Herzlichen Dank für Deine Zeit und für die äußerst praktischen Hinweise!

In der nächsten Folge erhalten Sie einen Überblick und Einblick, über den Ablauf einer logopädischen Stotter-Therapie bei Kindern/Erwachsenen.

*Anmerkung: Auf der Website unseres Berufsverbandes www.logopaediaustria.at kann über den Klick: „Logopä_din finden“, österreichweit die passende Therapie gefunden werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.