Ausgesprochen nachteilig

Nehmen wir einmal an, die Stimme klingt wegen einer Erkältung heiser. Oder wegen einer Entzündung tut das Sprechen weh. Was bringt vermeintlich Linderung beim Sprechen?

Flüstern. Denn Flüstern ist doch leises Sprechen. Und das sollte doch schonender sein als lautes Sprechen!?

Leider ist das nicht der Fall!

Flüstern belastet eine angekratzte Stimme stärker, als brüchiges Sprechen.

Warum ist das so?

Unsere zwei Stimmlippen sind im Kehlkopf von vorne nach hinten eingespannt. Der Kehlkopf ist der oberste Abschnitt unserer Luftröhre. Das heißt: jeder Atemzug, der Einatmung oder der Ausatmung, geht durch unsere Luftröhre und somit an unseren Stimmlippen vorbei. Damit das funktionieren kann, öffnen sich die Stimmlippen und geben einen Spalt zum Atmen frei.

Jeder Atemzug streift an den Stimmlippen vorbei.

Wenn wir diesen Ablauf  von oben auf den Kehlkopf schauend betrachten, dann schaut das so aus:


Blick von oben auf den Kehlkopf: die Stimmlippen sind für die Atmung geöffnet

Was passiert nun wenn Sie Stimme verwenden?

Da werden die Stimmlippen durch die Ausatemluft einander genähert und in Schwingung versetzt. Diese Schwingungen ergeben den Klang.


Die Stimmlippen werden durch die Ausatemluft einander genähert und in Schwingung versetzt. Diese Schwingungen ergeben den Klang. Wenn Sie die Stimmlippen in Aktion sehen möchten, dann klicken Sie hier

Doch was passiert beim Flüstern? Warum ist das anstrengend und nicht schonend?

Beim Flüstern werden die Stimmlippen im vorderen Drittel aneinander gepresst und im hinteren Drittel bleibt eine Öffnung in Form eines kleinen Dreiecks offen, dem sogenannten „Flüsterdreieck“. Diese Stellung verhindert ein freies Schwingen der Stimmlippen und schränkt die Klangfrequenz so stark ein, dass nur mehr ein heiserer Hauch zu hören ist. Eben das typische Flüstern.


Beim Flüstern werden die Stimmlippen im vorderen Drittel aneinander gepresst und im hinteren Drittel bleibt eine Öffnung in Form eines kleinen Dreiecks offen, dem sogenannten „Flüsterdreieck“.

Diese Muskelaktion ist aber unphysiologisch und auf Dauer für die Stimmlippenmuskulatur anstrengend. Alleine der Ausdruck „ die Stimmlippen werden aneinander gepresst“ macht dies schon deutlich. Wenn die Stimmlippen nun durch eine Kehlkopfentzündung gerötet und gereizt sind, ist diese Flüsterstellung zusätzlich belastend und anstrengend. So ist klar, dass Flüstern keine Erleichterung bringt sondern eine Belastung darstellt.

Auch hier gilt natürlich, wie in so vielen Bereichen des Lebens: die Dosis macht das Gift! Gelegentliches Flüstern schadet nicht, doch bei heiserer Stimme ausdauernd zu flüstern schon.

Mein Tipp:

Wenn Sie Ihre müde Stimme schonen möchten, dann schweigen Sie doch für eine Weile. Und sollten Sie sich mitteilen müssen, dann sprechen Sie so, wie es Ihnen gerade leicht möglich ist. Vielleicht klingt Ihre Stimme dabei rau und brüchig, aber das darf so sein. Und wenn Sie das so zulassen, erholt sich Ihre Stimme rascher als mit Flüstern

3 Kommentare

  1. Uli Haas

    Liebe Sanne,
    ich mag deine Tipps, sie sind klar und hilfreich.
    Seit geraumer Zeit unterstützt du mich nach meiner Covid-Erkrankung im Wiederfinden meiner Stimmfunktion, sodass meine Stimme wieder gut tragfähig wird.
    Ich spüre, dass jeder Tag Erleichterung bringt, danke dafür!!!
    Stimmige Grüße, Uli

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