Ausgesprochen singend

Ein berühmtes Beispiel für uneingeschränktes Falschsingen ist Florence Foster Jenkins, eine 1868 geborene Amerikanerin, die sich durch ein großes Erbe ihr ersehntes Gesangsstudium finanzierte. Mit 44 Jahren gab sie ihr erstes Konzert und begründete damit ihren Ruf als schlechteste Sängerin ihrer Zeit. Ihr Konzert in der Carnegie Hall, das sie mit 76 Jahren gab, war restlos ausverkauft und ihr Zitat: „Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte“ zeugt von ihrem Selbstbewusstsein.

Aber kann tonsicheres Singen erlernt werden!? Ich behaupte: JA!

Der Grundstein liegt in einem Hörtraining.

Wir lernen unsere Muttersprache über das Hören und ahmen diese lautlich nach. Auch die Korrektur bei falscher Aussprache eines Wortes läuft über die Ohren. Das heißt: was ich höre, kann ich auch reproduzieren.

Und wenn ich etwas nicht richtig höre (Voraussetzung ist ein gutes Gehör), dann kann ich durch Korrektur und richtige Wiederholung dieses Defizit ausgleichen.

Für das Hörtraining benötigen Sie ein Klavier oder ein Keyboard, mit dem Sie die Übungen machen können. Sollte Ihnen kein Klavier zu Verfügung stehen, finden Sie im WorldWideWeb sicher eine App die Ihnen weiterhilft.

Zu den Übungen:

Übung Nummer 1:

Suchen Sie auf der Tastatur das „C“ und schlagen Sie dieses als Referenzton an. Hören Sie gut hin. Eventuell schließen Sie dazu auch die Augen.

Übung Nummer 2:

Nun schlagen Sie eine Taste weit rechts des „C“ an und wiederholen diesen Klang ein paar Mal, dann wieder das „C“. Nun lassen Sie einen Ton weit links des „C“ erklingen und schlagen auch diesen ein paar Mal an, dann wieder das „C“. Erhören Sie, welcher Ton höher als das „C“ ist und ebenso welcher Ton tiefer als das „C“ klingt.

Achtung: je näher Sie dem „C“ kommen, desto schwieriger könnte die Bestimmung werden.

Übung Nummer 3:

Wiederholung von Übung Nummer 2, aber dieses Mal sitzen Sie daneben und jemand anderes schlägt die Töne an. Sie haben die Augen geschlossen und müssen nun erraten ob der Ton höher oder tiefer als das „C“ war.

Übung Nummer 4:

Beginnen Sie mit dem „C“ und schlagen Sie dieses an. Versuchen Sie es nun nachzusingen. Anschließend versuchen Sie den nächsthöhere Ton und so weiter und so fort, bis Sie an Ihre stimmliche Grenze stoßen.

Achtung: Verwenden Sie für die ersten Versuche NUR die weißen Tasten. Wenn Sie sicherer geworden sind, können Sie der Reihe nach auch die schwarzen Tasten miteinbeziehen.

Übung Nummer 5:

Kinderlieder eignen sich sehr gut für die erste Gesangsübung. Allen voran „ Alle meine Entchen“ oder „Ein Männlein steht im Walde“. Sollten Sie diese nicht kennen, finden Sie im Netz sicher die eine oder andere Variante davon.

Diese Version finde ich, auch wenn sie natürlich an Kinder adressiert ist, auch für Erwachsene gut.

Zuerst NUR lauschen und innerlich mitsingen. Nach zwei, drei Mal zuhören, können Sie Ihren ersten Versuch des Mitsingens wagen. Sollte Ihre Stimme wackeln und noch nicht trittsicher sein, ist das vollkommen normal. Die Muskelspannung muss sich auch erst langsam an die neue Herausforderung anpassen. Oftmaliges Wiederholen beschleunigt diesen Prozess.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Übungen mit Unterstützung noch mehr Spaß machen. Ein/e Gesangspädagoge/in hilft Ihnen dabei sicher gerne und wird auch Stimmeinsatz, Atmung, Rhythmuswechsel, Körperhaltung und Singeinstellung üben.

Sprechen und Singen entstehen zwar am selben Ort, nämlich dem Kehlkopf, sind aber in der Produktion und Belastung eklatant unterschiedlich. Welche Probleme daraus resultieren können, wird Inhalt eines eigenen Blog Post werden.

3 Kommentare

  1. Uli Haas

    Liebe Sanne,
    da ich mit Ende des Jahres die Tore meiner Praxis schließen werde, habe ich mir eine neue Herausforderung gesucht und lerne seit 2 Monaten am Keyboard zu spielen.
    Obwohl ich ein bisserl singen kann, werde ich aber deine Vorschläge gerne beherzigen und finde sie spannend.
    Herzlichen Dank für deine tolle Arbeit,
    herzlichst, Uli

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